Problemhundetrainer, Hundepsychologe oder Verhaltenstherapeut – was steckt hinter diesen Bezeichnungen?

Hundeverhaltenstherapeut, Problemhundetherapeut, Hundepädagoge, Hundepsychologe, Verhaltensberater, Fachberater für Hundeverhalten, Verhaltensanalyst oder Medical-Training-Coach.

 

Die Liste ließe sich problemlos fortsetzen. Der Fantasie scheinen bei Berufs- und Tätigkeitsbezeichnungen rund um den Hund kaum Grenzen gesetzt zu sein.

 

Mir ist dabei eines wichtig: Ich möchte niemanden verurteilen und niemandem unterstellen, er arbeite automatisch schlecht, nur weil er eine bestimmte Bezeichnung verwendet. Hinter einem Titel kann eine fundierte Ausbildung, viel Fachwissen und jahrelange praktische Erfahrung stehen.

 

Der Titel allein beweist das jedoch nicht, da es in Deutschland keinen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf zum „Hundetrainer“ mit einer bundesweit einheitlichen Ausbildungsordnung gibt. Auch Begriffe wie „Hundepsychologe“, „Hundetherapeut“ oder ähnliche Wortschöpfungen sind keine geschützten Berufsbezeichnungen.

 

Darauf weist übrigens auch die Bundestierärztekammer ausdrücklich hin.

 

Das bedeutet: Eine professionell klingende Bezeichnung sagt zunächst wenig darüber aus wie lange eine Ausbildung gedauert hat, welche Inhalte vermittelt wurden, wie viel praktische Erfahrung vorhanden ist, ob eine Abschlussprüfung stattgefunden hat, wer diese Prüfung durchgeführt hat und wie regelmäßig sich die betreffende Person fortbildet.

 

Gerade die Bezeichnung „Hundepsychologe“ kann beispielsweise den Eindruck erwecken, die Person habe ein Hochschulstudium der Psychologie abgeschlossen. Das muss jedoch keineswegs der Fall sein.

 

Ein Zusatz KANN durchaus eine echte Spezialisierung beschreiben. Problematisch wird es aber dann, wenn die Bezeichnung eine Qualifikation suggeriert, die nicht transparent nachgewiesen werden kann.

 

Was sagt die Erlaubnis nach § 11 aus?

 

Wer gewerbsmäßig Hunde für andere ausbildet oder Hundehalter bei der Ausbildung ihrer Hunde anleitet, benötigt eine behördliche Erlaubnis nach § 11 Absatz 1 Satz 1 Nummer 8f des Tierschutzgesetzes. Zuständig ist in der Regel das jeweilige Veterinäramt.

 

Für diese Erlaubnis müssen unter anderem die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten sowie die persönliche Zuverlässigkeit nachgewiesen werden. Je nach Ausgangslage können dazu Unterlagen, Fachgespräche oder weitere Überprüfungen gehören.


Diese Erlaubnis ist allerdings nicht mit einer staatlich geregelten Berufsausbildung gleichzusetzen. Sie sagt auch nicht automatisch aus, wie viel praktische Erfahrung jemand besitzt, wie er mit Menschen umgeht oder wie gut er sein Wissen auf unterschiedliche Mensch-Hund-Teams übertragen kann.

 

Auch langjährige Erfahrung als Hundehalter ist nicht automatisch eine berufliche Qualifikation. Selbst wenn jemand seit 20 oder 30 Jahren Hunde hält, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass diese Person Verhalten fachlich beurteilen, Trainingsschritte sinnvoll aufbauen und andere Menschen verständlich anleiten kann.

 

Ein guter Hundetrainer benötigt mehr als Wissen über Hunde. Er muss vor allem auch Menschen begleiten können.

 

Dazu gehört,

 • genau zu beobachten,

 • verständlich zu erklären,

 • unterschiedliche Lerntypen zu berücksichtigen,

 • Ursachen und Symptome voneinander zu unterscheiden,

 • Trainingsschritte an das jeweilige Team anzupassen,

 • eigene Grenzen zu erkennen und

 • bei spezifischen Fragen an einen Tierarzt oder entsprechend qualifizierten Spezialisten zu verweisen.

 

Hundetraining ist ein Handwerk. Und ein Handwerk lernt man nicht ausschließlich aus Büchern, Videos oder Onlinekursen. Theoretisches Wissen ist unverzichtbar. Es muss aber durch praktische Erfahrung ergänzt werden. Wer nach einer rein theoretischen Ausbildung noch nie eigenständig mit unterschiedlichen Hunden und ihren Menschen gearbeitet hat, steht in der Praxis häufig vor einer völlig anderen Realität.

 

Hundetraining geht meiner Meinung nach auch nicht nach Lehrbuch. Man passt das Training fortlaufend an.

 

Der schnelle Stempel „Problemhund“

 

Immer mal wieder melden sich Kunden bei mir, weil sie unterwegs von fremden Menschen auf ihren Hund angesprochen wurden. Manchmal sind es angehende Hundetrainer, manchmal selbst ernannte Experten und manchmal einfach Menschen, die ihre persönliche Erfahrung für allgemeingültig halten.

 

Nach einer kurzen Begegnung fällt dann ein Satz wie:

 

„Der Hund ist dominant.“

„Der hat ein Aggressionsproblem.“

„Du musst dringend etwas unternehmen.“

„Das ist ein Problemhund.“

 

Solche Aussagen können Hundehalter massiv verunsichern. Besonders dann, wenn sie von jemandem kommen, der fachlich auftritt und sehr überzeugt klingt. Doch niemand kann ein Mensch-Hund-Team innerhalb von 30 Sekunden umfassend beurteilen. Verhalten entsteht immer in einem Zusammenhang. Vorgeschichte, Gesundheit, Alltag, Umwelt, Beziehung, Lernerfahrungen und die konkrete Situation spielen dabei eine Rolle.

 

Und was ist überhaupt ein Problemhund?

Für den einen Menschen ist ein selbstständiger, durchsetzungsstarker Hund eine kaum zu bewältigende Herausforderung. Ein anderer Mensch schätzt genau diese Eigenschaften und arbeitet gerne mit einem Hund, der nicht zu allem Ja und Amen sagt.

 

Ich persönlich mag anspruchsvolle Hunde. Hunde, bei denen Beziehungs- und Erziehungsarbeit notwendig ist. Hunde, die Fragen stellen und nicht jede Entscheidung sofort hinnehmen. Das macht sie für mich nicht automatisch zu Problemhunden.

 

Ein Verhalten kann dennoch belastend, gefährlich oder im jeweiligen Alltag nicht tragbar sein. Dann sollte man es ernst nehmen und fachlich betrachten. Aber ein vorschnelles Etikett hilft weder dem Hund noch seinem Menschen.

 

Woran erkennt man dann einen guten Hundetrainer?

 

Eine lange Berufsbezeichnung oder eine Wand voller Zertifikate reichen als Qualitätsmerkmal nicht aus.

 

Ein guter Hundetrainer sollte dir transparent erklären können, welche Ausbildung und praktische Erfahrung er mitbringt. Er sollte nicht nur sagen, was du tun sollst, sondern auch erklären, warum ein bestimmter Trainingsschritt sinnvoll ist.

 

Er beobachtet zunächst, bevor er urteilt.

 

Er betrachtet nicht nur den Hund, sondern auch euren Alltag, eure Möglichkeiten und eure Beziehung. Er verspricht keine Wunderlösung und gibt keine Erfolgsgarantie innerhalb weniger Stunden.

 

Gutes Training ist außerdem individuell. Nicht jede Methode passt zu jedem Hund und nicht jede Vorgehensweise passt zu jedem Menschen.

 

Ein guter Trainer sollte in der Lage sein, sein Vorgehen anzupassen. Er sollte Fragen zulassen, eigene Grenzen benennen und dich nicht unter Druck setzen.

 

Besonders wichtig ist für mich die praktische Kompetenz. Ein Trainer muss Hunde lesen, Situationen frühzeitig erkennen und sein Wissen auch dann anwenden können, wenn etwas nicht nach Plan läuft.

 

Dein Bauchgefühl ist ein wichtiges Warnsignal!

 

Sollst du im Training etwas tun, das sich für dich falsch anfühlt, musst du es nicht einfach ausführen.


Frage nach dem Ziel. Lass dir erklären, warum diese Handlung notwendig sein soll. Bitte um eine Alternative, wenn du dich mit der vorgeschlagenen Vorgehensweise nicht wohlfühlst.

 

Ein Trainer darf dich fordern. Training darf anstrengend sein und neue Sichtweisen können zunächst ungewohnt wirken. Zwischen einer fachlichen Herausforderung und einem dauerhaften unguten Gefühl besteht jedoch ein Unterschied. Fährst du regelmäßig mit Bauchschmerzen zum Training, fühlst dich unter Druck gesetzt oder hast Angst vor dem, was dort mit deinem Hund geschehen könnte, solltest du diese Gefühle ernst nehmen und das Training abbrechen.

 

Denn selbst wenn du versuchst, eine Methode nachzuahmen, von der du nicht überzeugt bist, wird dein Hund deine Unsicherheit wahrnehmen. Nachhaltiges Training braucht nicht nur eine nachvollziehbare Methode, sondern auch einen Menschen, der sie klar und glaubwürdig umsetzen kann.

 

Fazit: Entscheidend ist nicht der Titel

 

Jeder kann seiner Tätigkeit einen eindrucksvollen Namen geben. Für Hundehalter führt das jedoch schnell zu Verwirrung.

 

Ein komplizierter Titel macht niemanden automatisch kompetent. Gleichzeitig arbeitet nicht jeder Trainer ohne großen Titel oberflächlich oder unprofessionell. Entscheidend ist die tatsächliche praktische Arbeit.

 

Ein guter Hundetrainer beobachtet sorgfältig, erklärt verständlich, arbeitet transparent und verfügt über praktische Erfahrung. Er nimmt dich und deinen Hund ernst und begegnet dir auf Augenhöhe.
 
Er hinterlässt keine Angst und keine Verunsicherung, sondern mehr Klarheit darüber, was passiert und wie ihr gemeinsam weiterarbeiten könnt. Denn am Ende sollte Hundetraining nicht davon leben, besonders beeindruckend zu klingen.
 
Es sollte Mensch und Hund im Alltag wirklich weiterhelfen.